Fokus vs. Autopilot

author image von Mantis | 0 Comments | 31/01/2020

Fokus vs. Autopilot

 

Ein interessantes Phänomen beim Zocken ist die Art und Weise, in der Menschen unbewusst Spiele auf dem Autopiloten spielen. Was ich damit meine ist, dass es extrem einfach ist, sich durch die Abläufe zu bewegen, anstatt sich auf das zu konzentrieren, was man gerade tut. Bei Ranglisten-Spielen könnte man annehmen, dass man ernsthaft und konzentriert spielt, aber es gibt dennoch eine andere Ebene darüber, die ich als Fokus bezeichnen möchte.

Treten wir in Pharahs Fußstapfen und stellen wir uns vor, du würdest gleich auf dein Ziel schießen. In den kurzen Augenblicken, bevor du klickst, kannst du den Feind sehen, wie weit er entfernt ist, in welche Richtung er sich bewegt oder wie er beschossen wird. Wenn du dich konzentrierst, kannst du eine fundierte Entscheidung treffen, wohin du zielen willst, bevor du schießt. Nehmen wir an, du siehst dann, dass du zu weit gezielt hast und deine Rakete hinter ihnen gelandet ist. Jetzt kannst du diese Informationen in deine Berechnung einbringen, damit deine folgenden Schüsse genauer sind.

Dies ist ein Beispiel, wie man einen Projektil-Helden wie Pharah spielen sollte. Klar, auch im Autopilot-Modus ist man oft in der Lage, mit seine Schüssen Feinde zu treffen oder sich ihnen zu nähern, denn die Meisten wissen instinktiv, dass man z.B. bei deinem Ziel etwas vorhalten muss, und man hat etwas Erfahrung mit der Waffe (das gilt für alle Waffen, nicht nur für Geschosse). Es wird bis zu einem gewissen Grad instinktiv funktionieren. Aber stell dir vor, du würdest über jeden Schuss, den du abgibst, nachdenken. Es klingt anstrengend, aber es wird einfacher, wenn du den Dreh raus hast. Es mag jedoch sein, dass du dieses Konzentrationsniveau nicht für längere Sitzungen aufrechterhalten kannst.

Helden mit Geschossen sind ein einfaches Beispiel, aber die Wichtigkeit des Fokus ist gültig, egal welche Waffe du benutzt. Ich persönlich kann z.B. große Unterschiede in meiner Fähigkeit, als Zarya zu tracken, feststellen, wenn ich mich konzentriere.

Wenn du ein Spieler bist, der regelmäßig Spiele in die Hand nimmt, müsste dir klar sein, wie sich Konzentration anfühlt (mit „in die Hand nehmen“ meine ich, dass du individuell sehr gut abschneidest, trotz aller Widrigkeiten, wie z.B. der letzte Überlebende zu sein und zu gewinnen). Wenn man den Druck spürt, die letzte Hoffnung des Teams zu sein, können manche Spieler ihren Autopiloten plötzlich ablegen und sich wirklich auf das gegnerische Team konzentrieren. Abklingzeiten, Aiming und Positionierungen bewusst wahrnehmen und darauf abzielen, ein Spiel herauszuziehen, das wirklich nicht möglich sein sollte. Was wäre, wenn diese Spieler immer auf diesem Niveau spielen würden?

Das mag alles ziemlich offensichtlich erscheinen, und in Wirklichkeit ist es das auch irgendwie, da unser Gehirn diese Berechnungen auch mit dem Autopiloten durchführt. Der Unterschied liegt in der Effektivität zwischen dem unbewussten Zielen und dem tatsächlichen Nachdenken darüber. Wenn du ein Auto fährst, hast du wahrscheinlich schon einmal erlebt, dass du plötzlich wieder in die Realität zurück schneist und bemerkst, dass du ~5 Minuten lang gefahren bist, ohne geistig anwesend zu sein. Nun stell dir vor, du wärst ein Rennfahrer und möchtest dein Rennen gewinnen. Ein Fahrer, der sich konzentriert, wird weitaus bessere Leistungen bringen als jemand auf Autopilot. Dasselbe gilt für das Spielen von Overwatch: Wenn dein kompetitives Spiel plötzlich pausiert und dein Monitor ausgeschaltet wird, könntest du mir sagen, welche 6 Helden das gegnerische Team gerade spielt, wie hoch ihre Ult-Charges sind und wie ihre Positionen auf der Karte sind?

Wenn man sich die sechs Gegner bewusst macht und über sie nachdenkt, wer sie sind, wo sie sind, ihre Ult-Charge und ihre Abklingzeiten der Fähigkeiten kennt – kann man alle durch Fokussierung verfolgen – wird sich die Entscheidungsfindung innerhalb des Spiels wesentlich verbessern.